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Selbstbestimmt gebären – was bedeutet das eigentlich?

  • Autorenbild: Anne Reimann
    Anne Reimann
  • 11. Juni 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Stilisierte Illustration eines Chromosoms in warmen, erdigen Farben, umgeben von botanischen Elementen wie Blättern und einer Blume auf beigefarbenem Hintergrund – im Vintage-Stil gestaltet, mit angedeuteten Telomeren an den Chromosomen-Enden.

Eine Schwangerschaft ist eine Zeit großer Vorfreude, aber auch vieler Fragen, Unsicherheiten und Entscheidungen. Besonders die Geburt ist ein Moment, dem viele Frauen mit gemischten Gefühlen entgegensehen. Die Begriffe "selbstbestimmt" und "natürlich" fallen in diesem Kontext häufig – doch was bedeutet es wirklich, selbstbestimmt zu gebären? Und wie kann eine Frau sich innerlich und äußerlich darauf vorbereiten?

In diesem Artikel erfährst du, was hinter dem Begriff steckt, welche Rechte du als Gebärende hast, welche inneren und äußeren Faktoren eine Rolle spielen, warum die aktuelle Situation in der Geburtshilfe dieses Thema dringlicher denn je macht – und wie du erste Schritte in Richtung einer Geburt in Eigenverantwortung gehen kannst.


Was heißt "selbstbestimmt gebären"?

Eine selbstbestimmte Geburt bedeutet, dass die Frau die Hauptakteurin ihrer Geburt ist. Sie trifft informierte Entscheidungen, kennt ihre Optionen und wird respektvoll in ihren Bedürfnissen unterstützt. Es geht nicht darum, alles allein oder ohne medizinische Hilfe zu machen, sondern um das Recht, Entscheidungen zu verstehen, mitzutragen oder bewusst abzulehnen.

Wissenschaftlich betrachtet: Studien zeigen, dass Frauen, die sich als aktiv handelnd und mitbestimmend erleben, seltener traumatische Geburtserfahrungen berichten (z. B. Soet et al., 2003; Bohren et al., 2015).

Selbstbestimmung bedeutet auch, dass du deinen eigenen Weg findest – ganz gleich, ob du dich für eine Hausgeburt, ein Geburtshaus oder die Klinik entscheidest. Es geht um Wahlfreiheit, um innere Sicherheit und um Würde.

Warum das Thema heute wichtiger denn je ist

Die Situation in der Geburtshilfe hat sich in den letzten Jahren zunehmend verschärft. Hebammenmangel, überlastete Kreißsäle, Personalmangel und wirtschaftlicher Druck führen dazu, dass viele Geburten heute nicht mehr in einem ruhigen, zugewandten Rahmen stattfinden können. Stattdessen erleben viele Frauen:

  • Geburt unter Zeitdruck

  • medizinische Interventionen ohne ausreichende Aufklärung

  • fehlende Kontinuität in der Betreuung

  • strukturelle Gewalt oder das Gefühl, übergangen worden zu sein

Eine Studie des Bundesfamilienministeriums (2019) zeigt, dass jede dritte Frau ihre Geburt als belastend oder traumatisch erlebt hat. Viele von ihnen berichten von einem Gefühl der Ohnmacht oder Überforderung.

Diese Umstände machen es umso dringlicher, dass Frauen informiert und vorbereitet sind. Selbstbestimmung ist kein Luxus, sondern eine Antwort auf ein System, das nicht immer den Raum schafft, den eine Geburt braucht.

Deine Rechte als Gebärende

In Deutschland haben Frauen unter der Geburt weitreichende Rechte. Hier einige zentrale Punkte:

  • Recht auf Aufklärung: Du hast das Recht, über jede medizinische Maßnahme (z. B. Einleitung, Wehentropf, Kaiserschnitt) informiert zu werden – inkl. Nutzen, Risiken und Alternativen.

  • Recht auf Zustimmung: Keine Intervention darf ohne deine ausdrückliche Zustimmung erfolgen (Stichwort: "informierte Einwilligung").

  • Wahl des Geburtsortes: Du darfst entscheiden, wo du gebären willst: Klinik, Geburtshaus oder zu Hause.

  • Begleitung durch Vertrauensperson: Du hast das Recht, eine vertraute Person durchgehend an deiner Seite zu haben.

  • Recht auf respektvolle Behandlung: Gewalt unter der Geburt (auch verbale oder strukturelle Gewalt) ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein ernstzunehmendes Thema.

Kenntnis dieser Rechte ist die Grundlage für Selbstbestimmung. Viele Frauen wissen nicht, dass sie "nein" sagen dürfen – selbst im Kreißsaal.


Innere Haltung: Vertrauen statt Angst

Viele Frauen tragen unbewusste Ängste und Zweifel in sich – geprägt durch Geburtsberichte im Umfeld, mediale Darstellungen oder eigene Vorerfahrungen.

Eine selbstbestimmte Geburt beginnt daher nicht im Kreißsaal, sondern im Kopf und Herzen der Frau. Es braucht eine innere Haltung von:

  • Vertrauen in den eigenen Körper

  • Klarheit über eigene Bedürfnisse und Grenzen

  • Mut, Verantwortung zu übernehmen

  • Fähigkeit zur Abgrenzung und Selbstführung

Neurowissenschaftlich belegt: Ein sicherer mentaler Zustand (wenig Stress, hohe Selbstwirksamkeit) wirkt sich positiv auf den Geburtsverlauf aus – das Stresshormon Cortisol kann den Geburtsverlauf negativ beeinflussen (u. a. Olza et al., 2018).

5 erste Schritte in Richtung selbstbestimmter Geburt

1. Wissen aneignen Lies Bücher, Blogs und wissenschaftlich fundierte Inhalte über Geburtsverlauf, Interventionskaskaden und Alternativen. Wissen schafft Sicherheit. Empfehlenswerte Quellen: "Die selbstbestimmte Geburt" (Ina May Gaskin), "Herausforderung Geburt" (Sarah Schmid), evidenzbasierte Inhalte wie "Green Journal" oder Cochrane Reviews.

2. Geburtsvorbereitung mit Tiefgang Wähle Kurse, die nicht nur Atemtechniken vermitteln, sondern auch mentale Geburtsvorbereitung, Hypnose, Visualisierung, Achtsamkeit und innere Arbeit integrieren. Diese Tools stärken deine Selbstwirksamkeit.

3. Wünsche formulieren & kommunizieren Erstelle einen Geburtsplan als Ausdruck deiner Bedürfnisse und Prioritäten. Er kann auch helfen, deinem Geburtsteam Orientierung zu geben, wie du unterstützt werden möchtest.

4. Das richtige Team wählen Eine Hebamme, die dich ganzheitlich begleitet, oder eine Doula, die dir emotionalen Rückhalt bietet, kann entscheidend sein. Je nach Region ist auch eine Hausgeburt oder ein Geburtshaus eine gute Option, um dem Klinikstress zu entgehen.

5. Innere Arbeit beginnen Hypnose, Embodiment-Übungen, Affirmationen, Journaling, Gespräche über Geburtserfahrungen – all das hilft dir, dich innerlich zu stabilisieren. Auch die Auseinandersetzung mit Ängsten aus vorherigen Geburten ist ein wichtiger Prozess.


Fazit: Selbstbestimmung braucht Wissen, Mut und Unterstützung

Selbstbestimmt zu gebären bedeutet, sich aktiv mit dem eigenen Körper, dem Geburtsprozess und den eigenen Rechten auseinanderzusetzen. Es bedeutet, Entscheidungen nicht abzugeben, sondern sie gemeinsam mit einem achtsamen Umfeld zu treffen. Nicht Kontrolle ist das Ziel, sondern Verbundenheit und Selbstwirksamkeit.

In einer Zeit, in der die Rahmenbedingungen für gute Geburten nicht selbstverständlich sind, ist es wichtiger denn je, dass Frauen sich vorbereiten, vernetzen und für sich einstehen. Du darfst dich zeigen, deine Wünsche äußern und dich unter der Geburt sicher fühlen – ohne Rechtfertigung.

Buchtipp zum Weiterlesen: "Die selbstbestimmte Geburt" von Ina May Gaskin, "Geburt ohne Gewalt" von Frédérick Leboyer, "Mutter werden" von Sheila Kitzinger.

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